
Südafrika - Ein wichtiger Standort für die Auto- und Ersatzteile-Industrie
In wenigen Tagen startet die Fußball WM in Südafrika. Zeitungen und Magazine wie auch Fernseh-Dokus geben sich seit einiger Zeit größte Mühe, das Land des Gastgebers möglichst umfangreich vorzustellen. Selbstverständlich kommen Tafelberg, Nelson Mandela, Löwen & Elefanten oder Rugby in fast jedem Bericht vor – ausgespart wird jedoch in der Regel einer von Südafrikas wichtigsten Industriezweigen – die einheimische Automobilindustrie.
Die Produktion von Fahrzeugen und Ersatzteilen stellte in den letzten 15 Jahren einen der wesentlichen Treiber der Wirtschaft Südafrikas dar. 373.000 produzierte Autos repräsentieren 7,5% des Bruttoinlandsproduktes. Viele namhafte Autokonzerne nutzen Südafrika als Produktionsstätte und exportieren die dort gebauten Einheiten in weltweite Absatzgebiete. Der Export ist enorm gewachsen: Während 1997 erst 20.000 PKW das Land verließen wurden 2009 bereits mehr als 200.000 Autos aus Südafrika verschifft. Aus Deutschland, einem der Favoriten auf den Sieg bei der WM 2010, sind gleich 3 Konzerne im Bereich des Automobilbaus in Südafrike aktiv:
BMW nutzt Südafrika als Produktionsstätte für Rechtslenker-PKW. So werden z.B. 29% aller in Japan verkauften BMW am Kap gebaut, wie auch 20% (12%) der nach Australien (Großbritannien) exportierten BMW. Auch die afrikanische Nachfrage, allen voran Algerien, Simbabwe und Nigeria, wird aus dem BMW-Werk in Rosslyn beliefert. BMW fertigt seit 1975 im Süden von Afrika; aktuell läuft der 3er BMW in der Nähe von Pretoria vom Band.

Mit mehr als 2,5 Mio. Fahrzeugen ist Volkswagen der erfolgreichste Auto-Hersteller am Kap
Der VW Konzern ist bereits seit mehr als 50 Jahren in Südafrika präsent und produziert vor Ort den VW Polo sowie den Golf V und den Jetta. Die VW Polo Produktion wird zukünftig ausgeweitet, so dass 2010 u.a. mehr als 70.000 Polo für den Export gefertigt werden. Mit dann mehr als 105.000 gefertigten Einheiten wird VW South Africa damit gemeinsam mit Toyota zum größten Hersteller im Land. Volkswagen führt den lokalen Markt mit 21% Marktanteil deutlich an. Dies ist u.a. auf den über lange Jahre in Südafrika gebauten “Citi Golf” zurückzuführen, einem ständig modellgepflegten Golf 1, von dem seit 1984 insgesamt mehr als 377.000 Stück gebaut wurden. Der Citi Golf wird aktuell vom so genannten “VW Polo Vivo”, einem ausschließlich in Südafrika gebauten “Billig-Polo” abgelöst. Dank Citi Golf und anderer Erfolgsmodelle überschritt die VW Produktion in Uitenhage in 2007 die 2,5 Mio. Grenze.
Als dritter großer deutscher Hersteller ist Mercedes-Benz im Land des WM Gastgebers präsent. Im Werk East London wird die Mercedes C-Klasse als Links- und Rechtslenker für den lokalen Markt und Export sowie einige Modelle aus der Mitsubishi Modellpalette produziert. In 2009 konnte Daimler mehr als 30.000 Fahrzeuge vom Kap exportieren.
Auch die US-Konzerne General Motors und Ford sowie die japanischen Produzenten Nissan und Toyota vor Ort aktiv. Während General Motors mit dem Corsa Utility, dem Isuzu KB und dem Hummer H3 zuletzt 3 Nutzfahrzeug-Modelle im Programm hatte stellt Ford mit dem Mazda 3 und dem Focus neben Ford Ranger und Ford Ikon auch 2 PKW Modelle her. Ford ist an den Standorten Pretoria und Port Elizabeth angesiedelt, wo Fahrzeuge und Ersatzteile vom Band laufen. Beide Werke bieten eine Kapazität von zukünftig mehr als 116.000 Einheiten.
Toyota in Durban fertigt die Modelle Hilux / Fortuner sowie das weltweite Erfolgsmodell “Corolla” bzw. RunX in einem der modernsten Werke außerhalb Japans. Wettbewerber Nissan bietet mit den Modellen Hardbody / NP300, Livina, NP200 / Renault Sandero sowie dem Nissan Tiida die breiteste Modellpalette.

Der legendäre "Citi Golf" von Volkswagen South Africa - ein Mix aus Golf 1 und Golf 2
Der PKW Absatz in Südafrika ist zuletzt drastisch eingebrochen, während sich der Exportmit 124.000 Einheiten konstant zeigte. Von 2008 (329.000 Stück) auf 2009 (258.000 Stück) ging der Verkauf von Neuwagen im Land um fast 22% zurück. Somit bleibt Südafrika vor allem als Produktionsstätte für PKW interessant. Neben den Fahrzeugherstellern sind mittlerweile auch einige Hersteller von Autoteilen, die als Zulieferer für Hersteller und Werkstätten dienen, aktiv. Hinderlich für die Ersatzteile-Produktion am Kap ist der aktuelle Wechselkurs des Rand gegenüber dem Euro – der Autoteile-Import ist dadurch zu günstigen Konditionen möglich.
Die Fußball WM 2010 sollte der Automobilindustrie in Südafrika neue Impulse verleihen. Let the games begin!