Das in den Augen vieler Porsche-Fans “hässliche Entlein” der Porsche Produktfamilie bzw. deren “mißratener Sohn” ist zweifelsohne der Porsche 924. Von Vielen wird der kleine Bruder des 928 bzw. 944 nicht einmal als “richtiger Porsche” akzeptiert sondern als Audi-Modell, “Hausfrauenporsche” und “Maurerporsche” verlacht. Dabei handelt es sich beim 924 um ein sowohl grundsolides als auch sehr erfolgreiches Modell aus Zuffenhausen.
Kurze Modellhistorie des Porsche 924
Im Jahre 1976 wurde der Porsche 924 mit Frontmotor und 4 Zylinder Technik erstmals vorgestellt. Die Produktion des Sportwagens erfolgte in Neckarsulm im Audi Werk. Drei Jahre später kam der 924 Turbo auf den Markt, der intern als “931″ bezeichnet wurde. Vom 170 PS starken und 225 km/h schnellen Turbo wurden 7225 Stück gebaut. 1980 folgte das Spitzenmodell, der 924 Carrera GT. Dieser wurde als “937″ bezeichnet, leistete 210 PS und erreichte 240 km/h in der Spitze. Vom 924 Carrera GT wurden lediglich 406 Stück gebaut. 1981 wurde der 924 Turbo überarbeitet. Die Leistung wuchs auf 177 PS. Parallel dazu wurden 59 924 Carrera GTS gebaut, die lediglich im Motorsport eingesetzt wurden. Der Porsche 924 S mit 150 PS Motor wird auf der IAA 1985 vorgestellt. In 1986 erhält dieser erstmals einen 3-Wege Katalysator. 2 Jahre später wird die Leistung des 924 S auf 160 PS angehoben. Die Produktion endet im August 1989 nach über 150.000 gebauten Einheiten.
Der 924 als Klassiker im Alltag
Es ist richtig, dass sich der Porsche 924 aus dem Autoteile-Programm von Audi bedient. Es stimmt auch, dass der 4-Zylinder Motor mit seinen 125 PS ungewöhnlich klein und “schwach” im Vergleich zu den Aggregaten in anderen Porsche Modellen ausfiel. Ebenfalls trifft zu, dass der 924 komfortabel ist (was Puristen tatsächlich bemängeln) und auch bzgl. seines Motorgeräusches eher leise ausfällt. Wahr ist aber, dass er damit viele Attribute mit seinem legendären und allgemein verehrten älteren Bruder, dem Porsche 356 teilt. Auch beim 356 wurden Autoteile aus der Großserie bei dessen Konstruktion verwendet – somit wäre die Brücke zwischen 924 und 356 geschlagen.
Vor dem Hintergrund der produzierten Stückzahl muss beim Porsche 924 schlicht und einfach von einem Erfolgsmodell gesprochen werden. Mehr als 150.600 Exemplare wurden gebaut – und verkauft! Vielleicht lag dies gerade deshalb an seiner faktischen Nähe zum Volkswagen – die Verwandschaft zum VAG Konzern kann und will der 924 nicht leugnen. Schon der Blick ins Cockpit verrät die Gleichheiten zu VW und Audi Modellen sofort. Schalter und Hebel sind mit VW Logo ausgestattet; Haptik und Aussehen des Blinkerhebels kennt man u.a. aus dem VW Golf sowie dem Audi 80. Aber es gibt noch weitere Anleihen bei VW und Audi – der 125 PS Motor ist aus Ingolstadt entliehen; die Hinterachse stammt vom VW 1303, die Antriebswellen sogar aus dem VW Typ “Kübelwagen” (!) und Bremssättel, Bremsscheiben und Bremsbeläge wurden auch im VW K 70 verbaut. Der Mix dieser Komponenten in Verbindung mit solider Verarbeitung und attraktivem Preis führten letztendlich zu einer hohen Nachfrage und zu einer Produktionsdauer, die 1976 begann und erst 1988 endete.
Im Unterhalt ist der Porsche 924 sehr genügsam und zählt damit zu den Youngtimern, die auch mit schmaler Kasse gefahren werden können. Die jährlichen Steuern (H-Kennzeichen!) fallen mit nur 192 Euro an, die (Oldtimer)-Versicherung liegt unter 80 Euro und die Kosten für Benzin summieren sich bei einer Fahrleistung von 7000 km im Jahr auf rund 920 Euro. Ein Kilometer im 924 kostet auf Basis dieser Daten nur 0,17 Euro.
Die gute Technik der Porsche 924 und dessen erwähnte Gleichteile mit VW und Audio Modellen sorgen dafür, dass der Porsche einen hohen Nutzwert hat und Reparaturen keine tiefen Krater in den Geldbeutel reißen. Im Verbrauch liegt der in Tranaxle Bauweise konstruierte Sportwagen bei 10 Litern und wartet ab dem Modelljahr 1979 mit voll verzinkter Karosserie und einem komfortablen Fünfgang-Schaltgetriebe auf. Die Verzinkung hat ihren Sinn und schützt viele Porsche 924 vor dem Verrotten. Neben der Standard-Version mit 125 PS gab es u.a. die Spitzen-Modelle Carrera GT und Turbo, die jedoch selten sind und zudem sehr teuer. Der von Experten als bester 924 bezeichnete Porsche ist der 924 S – seinen 150 PS (später 160 PS) Motor aus Leichtmetall leiht er sich vom großen Bruder 944.
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