Ein nahezu “unkaputtbares” Auto aus dem Hause Mercedes-Benz, das seine Alltagstauglichkeit und geringen Betriebskosten auch heute noch unter Beweis stellt, ist der Mercedes 190D (interne Baureihen-Bezeichnung “W110″). Der 190D, die “kleine Heckflosse” war in den 60er Jahren der schnellste (!) und komfortabelste Diesel der Welt. Im Vergleich zur “großen Heckflosse” (so wurden die von Mercedes als “Peilstege” zum Einparken gedachten Bugformen bezeichnet), dem 220er (W111) , fiel der 190D um 15 Zentimeter kürzer aus.
Kurze Modellhistorie des Mercedes 190D
Die verkürze Variante des W111 (Heckflosse mit Sechszylinder Motor), der 190D (W110) wird 1961 erstmals vorgestellt. Er ersetzt als neue Baureihe den intern als W121 bezeichneten 190D “Ponton”. Als Extras erhältlich waren bereits Servolenkung und Automatik Getriebe. 1965 wurde der 190D zum 200D aufgewertet. Zwar wurde der Tank von 51 auf 65 Liter vergrößert und optische Anpassungen wie rechteckige Rückleuchten und Blinker unterhalb der Scheinwerfer wurden umgesetzt, die Leistung des Motors blieb jedoch bei 55 PS. Damit erreichte der kleine Diesel bereits eine Höchstgeschwindigkeit von 133 km/h, was ihn schneller machte als z.B. einen VW Käfer. Die leichte Vergrößerung des Motors führte u.a. auch zu einer Erweiterung der Kurbelwellenlager. 1968 lief die Produktion des W110 aus und er wurde durch seinen sehr erfolgreichen Nachfolger “W115″ (“Strich 8 genannt”) ersetzt. Insgesamt fertigte Mercedes während der 7-jährigen Produktionszeit fast 390.000 Einheiten des 190D bzw. 200D.
Der W110 als Klassiker im Alltag
Wie bei vielen automobilen Schätzchen steht auch beim 190D oftmals der Rost als Feind im Weg. Daher sollte beim Kauf sehr akribisch auf das Thema “Korrosion” geachtet werden. Ist der Daimler jedoch gepfegt steht einem alltagstauglichen “Cruiser” nichts im Wege. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen wird allgemein als gut bezeichnet. Neben Originateilen von Mercedes bietet auch der freie Markt fast alle Ersatzteile für die kleine Heckflosse an. Ob Bremsscheiben, Radlager, Auspuff oder Lichtmaschine – sowohl neu als auch gebraucht ist fast alles vorhanden. Schwierig wird es auch hier bei Teilen für die Innenausstattung sowie Zierleisten und anderen Chromteilen. Oft muss die Einspritzanlage justiert werden – hier sollte man auf einen erfahrenen MB-Experten vertrauen. Auch für den als “Wanderdüne” bezeichneten W110 gilt, dass gute Autos rar und teuer sind. Viele Exemplare sind verheizt oder wurden ohne Sachverstand zusammengeflickt. Wichtig ist wie erwähnt der Rost, der u.a. an Schweller, Einstiegsleisten, Radlauf und Reserverad wuchern kann. Daher empfiehlt sich die Nutzung eines Endoskops zur genaueren Diagnose.
Im Unterhalt ist der MB 190D sehr genügsam. Für einen Kilometer fallen bei einer Fahrleistung von 7000 Kilometern, Oldimer Versicherung und H-Kennzeichen nur 0,13 Euro an. Die Steuer schlägt lediglich mit 190 Euro zu Buche, die Versicherung kostet keine 80 Euro und der im Jahr verfahrene Diesel kostet ca. 670 Euro. Damit gehört der 190D zu den sehr günstigen Klassikern – vorausgesetzt natürlich, dass die Heckflosse über eine gute Substanz verfügt.
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