Da staunte ich auf der Bremen Classic Motorshow schon nicht schlecht, als ich dieses Experimentalfahrzeug sah. Das sämtliche Hersteller, schon in den frühen Jahren, mit dem Elektroantrieb geliebäugelt haben war mir bewusst. Doch selten sieht man solche Fahrzeuge auch heute noch “in freier Wildbahn”. Hier ist er also, der Audi 100 Technologieträger aus dem Jahr 1976:
Dieses Fahrzeug wurde damals auf dem 4. internationalen Elektro-Fahrzeug-Symposium in Düsseldorf vorgestellt. Das Fahrzeug selber entstand in einer Kooperation zwischen der Volkswagen AG (zuständig für die Karosserie, das Fahrwerk und die Fahrwerksauslegung) und der Fa. DAUG die für den Elektroantrieb verantwortlich war. Dieses Erprobungsfahrzeug wurde damals aufgebaut, um Energieversorgungskonzepte zu erproben. dabei wurde der Frontantrieb vom Audi 100 übernommen. Der Antrieb flog raus und wurde durch einen längs eingebauten Elektromotor ersetzt. Der Motor hatte eine Dauerleistung von 18 kW, kurzfristig steht eine Leistung von 32 kW zur Verfügung. Das Drehmoment lag auf dem serienmäßigen Niveau des Fahrzeuges: 145 Nm!
40 km weit konnte man damals mit diesem Fahrzeug fahren, in 11 Sekunden beschleunigte der Wagen von 0 auf … 50 km/h … die Höchstgeschwindigkeit hätte bei 90 km/h gelegen, doch das Fahrzeug kam so ja gar nicht auf den Markt.
Eigentlich schade, denn gerade bei dem Wetter draussen hätte ich mich über die damals schon verbaute Frontscheibenheizung (so eine mit fast unsichtbaren Heizdrähten in der Frontscheibe) sehr gefreut. Aber vermutlich hätte die Batterie (eine Nickel-Eisen-Batterie) bei der Kälte auch schlapp gemacht. 120 Zellen hatte die Batterie, die den kompletten Kofferraum vom Audi 100 ausfüllte. Der Batterieraum wurde durch Lüftungsschlitze entgast, der Innenraum war damals komplett von dem Batterieraum abgetrennt.
Interessant finde ich die Tatsache, dass man damals scheinbar tatsächlich an einen Nutzwert gedacht hat, denn an dem Audi 100 LS ist eine Anhängerkupplung montiert, vermutlich auf Grund der eingeschränkten Zuladung.
Das Fahrzeug ist das einzige Modell dieser Baureihe und kann normalerweise im Automuseum in Melle bewundert werden, der Wagen zeigt sich im unrestaurierten Original-Zustand, hat 18.000 km auf dem Tacho stehen und zeigt sich immer noch im Erstlack: Atlasweiß.

















