Kaum ist der Gründer der ALDI Discount-Kette, Theo Albrecht, im hohen Alter von 88 Jahren gestorben wird auch schon eines seiner Fahrzeuge zum Verkauf angeboten. Wie beim legendären “Papst Golf IV“, dem Audi RS6 von Michael Ballack oder dem Ford Granada von Atze Schröder wird auch beim mit allen Sicherheits-Features ausgestatteten Mercedes S 420 (W140) des Aldi Nord Chefs erfolgreich versucht, mit einem vermeintlichen “Promi-Auto” PR zu machen, um so den Kreis möglicher Interessenten möglichst weit zu ziehen. Die Online-Berichterstattung bei BILD Zeitung, Focus, Spiegel und Co. zeigt, dass der Plan aufgeht. Angeboten wird der “Benz” vom Düsseldorfer Autohändler Michael Fröhlich, Inhaber von “Michael Fröhlich’s Fantastische Fahrzeuge“, gelegen unweit der Königsallee. Fröhlich hat bereits in der Vergangenheit ein Händchen für außergewöhnliche Fahrzeuge bewiesen – zu seinem Repertoire gehörten u.a. ein straßenzugelassener Panzer, ein bei Tourenwagen Rennen eingesetzter Rolls Roye ein Stretch-Hummer oder eine erlesene Auswahl hochwertiger AC Cobra Sportwagen.
Das Objekt des Interesses im Dunstkreis von ALDI ist eine auf den ersten Blick sehr unspektakuläre Mercedes S Klasse der Baureihe W140 mit einem 4,2 Liter Motor (“S 420″) – wären da nicht die außergewöhnlich spartanische Ausstattung sowie die ungewöhlich umfangreichen Sicherheits-Komponenten des Autos. Betrachtet man das Auto vor dem Hintergrund seines Besitzers, des als sparsam aber sehr auf Sicherheit bedachten Theo Albrecht (“Mister Aldi”), erschließen sich die Motive für das sehr exotische Fahrzeug schnell. Zunächst erscheint es seltsam, dass ein 16,5 Milliarden Euro schwerer Unternehmer nur einen 420er statt eines 500 oder gar 600er Modells wählt. Darüber hinaus ist der in den 90er Jahren gebaute W140 auch bei weitem nicht mehr die jüngste S-Klasse in der Mercedes Modellpalette. Albrecht gönnte sich in Bezug auf die Ausstattung nur das nötigste. Auf das am häufigsten gewählten Extra, eine Lederausstattung, wurde ebenso verzichtet wie auf eine standesgemäße Musikanlage. So sass der sparsame Theo Albrecht während der Fahrt in seinem Dienstwagen auf schnöden Velours-Sitzen und musste – wenn überhaupt genutzt – mit einem einfachem Radio und Cassettendeck Vorlieb nehmen.
In punkto Sicherheit entspricht der S 420 jedoch allerhöchsten Ansprüchen. Das Auto wurde 1996 mit allen erdenklichen Sicherheits-Features ausgestattet, die seinen Auftraggeber ca. 1,5 Millionen Mark gekostet haben dürften. Muten die getönten Scheiben der blau-schwarzen S-Klasse noch als Standard für Dienstwagen an so endet dieser spätestens bei den 6,5 cm dicken Scheiben, die angeblich auch en Beschuss mit einer Panzerfaust standhalten. Diese sind so schwer, dass sie kein Fensterheber bewegen kann – sie werden vielmehr von einer Hydraulik gehoben und gesenkt. Die Bodenplatte aus B7 Stahl entspricht der Sicherheit vcn Präsidenten-Limousinen, mit der die Insassen ohne weiteres einer Landmine oder Panzergranete trotzen können. Auch ein Anschlag mit Giftgas stellt für den fahrenden Tresor kein Problem dar – die S-Klasse ist mit einer eigenen Sauerstoff-Versorgung ausgestattet. Darüber hinaus finden sich u.a. ein Telefon im Kofferraum, Mikrofone um im Umkreis von 30 Metern alles belauschen zu können sowie eine Wechselsprechanlage für den Kontakt aus dem Fond des Mercedes-Panzer.
Ein Reifenwechsel am Albrecht W140 war ebenfalls aus der Kategorie “speziell” – die Hochsicherheits-Reifen hielten sogar dem Beschuss mit einem Maschinengewehr stand. Und falls sich Türen oder Kofferraum mal nicht öffnen lassen, können diese kurzerhand weggesprengt werden…
Die umfangreiche Sicherheit fordert allerdings ihren Preis bei Performance und Fahrspaß. Im aktuellen Zustand wiegt der W140 ca. 3,5 Tonnen, die ihn mit seinen 278 PS laut Michael Fröhlich “wie eineen beladenen LKW” fahren lassen. Im Gegensatz zum Anschaffungspreis, bei dem der Sicherheits-Umbau alleine mit ca. 1,5 Mio. D-Mark zu Buche geschlagen ist, mutet der aktuelle Verlaufspreis des Autos günstig an: Die S-Klasse mit rund 174.000 km auf dem Tacho kann für 100.000 Euro den Besitzer wechseln.
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